Mitbewohner,  Rezensionen

Tiger von Polly Clark – Ein Herzensbuch

Danke an Netgalley für das Rezensionsexemplar Tiger von Polly Clark

Spätestens seit Laetitia Colombanis „Der Zopf“ finde ich eine Erzählweise mehr als genial: Das Zusammenführen vermeintlich unabhängiger Einzelgeschichten zu einem großen Ganzen, das erst zum Schluss in Erscheinung tritt.
UND spätestens seit „Der Gesang der Flusskrebse“ liebe ich naturnahe Geschichten!

In Tiger von Polly Clark finden wir beides wieder. Der Titel beschreibt es schon: Die Autorin stellt eines der wunderschönsten Geschöpfe auf unserem Planeten in den Mittelpunkt, den König des Waldes, Panthera Tigris, die gestreifte und wunderschöne Großkatze – an die ich schon in jungen Jahren mein Herz verlor und die zu meinen liebsten Tieren zählt.

Und schon eines vorweg. Polly Clark hat genau das geschafft, was ich mir gewünscht habe:
Einzelgeschichten gekonnt zusammenfließen zu lassen und noch viel wichtiger: Den Tigern, vom Aussterben bedroht, eine Stimme zu geben!


Für Frieda, eine englische Primatenforscherin, sind Tiger nichts als wilde Tiere, ihr fremd in ihrer rohen Aggression. Aber seit sie in einem kleinen Zoo in Devon arbeitet, begegnet sie den Wildkatzen täglich. Nach und nach beginnt sie sich für das Wesen der Tiger zu interessieren; dann, sie zu verstehen, und schließlich, sie zu lieben. Durch sie lernt sie einen Teil von sich selbst neu zu entdecken und begibt sich auf eine Reise, die sie bis nach Sibirien führt, wo ihr eigenes Schicksal sich mit dem von Tomas, einem einsamen Mann in den Wäldern der Taiga, der kleinen Sina, einem wilden Mädchen, und dem der Tiger auf überraschende Weise verbinden wird. Eine lyrische, abenteuerliche, sinnliche, schlicht gewaltige Geschichte von einem Mann, einer Frau und einem Kind, deren heimlich miteinander verknüpfte Leben tief im Zeichen des Tigers stehen.


Anfangs war ich enttäuscht, dass wir Frieda nicht das ganze Buch lang begleiten, sondern sie nur eine der Einzelgeschichten darstellt. Doch mit Schluss des Buches weiß man warum Polly Clark dies so gehandhabt hat. Erst am Ende erkennt man die Genialität dahinter.

Es hat bei allen Charakteren eine Weile gedauert sie zu mögen, weil man anfangs die Tiefe der Figuren nicht erkennt. Gerade diese stellt sich aber zum Ende des Buches heraus.
Unterschiedlichere Leben hätten unsere drei Menschen nicht haben können und doch verbindet sie alle die Liebe zu den Tigern und der Natur.
Und so führt die Autorin die Schicksale in der verschneiten Taiga zusammen und erschafft damit etwas Größeres als eine reine Begegnung, sie schafft Verbundenheit, dieman selten findet.

Vor allem die entstehende Beziehung zwischen Sina und Tomas hat mich berührt. Da schmeißt das Leben zwei Fremde zusammen und daraus entwickelt sich etwas Wunderbares.

Inspirierend fande ich Friedas Entwicklung. Erscheint diese zu Anfang noch wie ein Schatten eines Menschen, erkennt man sie am Ende der Erzählung kaum wieder. Wir begleiten Frieda nur auf einem kurzen Teil ihres Weges, ebenso verhält es sich bei Tomas und Sina. Der Schluss bildet so zwischen den Enden der Einzelgeschichten und dem Zusammenkommen der drei eine Lücke von zwei Jahren. Als Leser kann man sich so selbst ein Bild machen wie es zu den Entwicklungen am Schluss des Buches kam was einmal etwas anderes ist.


Die jeweiligen Einzelgeschichten werden am Ende gekonnt zu einer großen Geschichte verknüpft. Waren die einzelnen Erzählungen jede für sich schon gut gewählt, empfand ich das Ende als herausragend.
Hier wird die ganze Intention der Geschichte dem Leser bewusst und die Kernaussage springt einen wie ein angriffslustiger Tiger an! Eine Aussage die man selbst lesen sollte, die aber so wichtig ist dass jeder sie verstanden haben sollte! Schützt die Natur und ihre Lebewesen!


Womit ich zum Herzstück des Buches komme: Den Tigern.
Nicht nur bekommen wir interessante Fakten zu den Großkatzen vermittelt, nein Polly Clark gibt ihnen eine Stimme. So nehmen wir ebenfalls die Position der Tiger ein und sehen die Welt durch ihre Augen, verstehen besser warum sie tun was sie tun.

Ich habe jede Beschreibung der Tiger geliebt. Doch hat mich das Buch nicht nur glücklich gemacht sondern auch bestürzt und traurig. Es arbeitet heraus wie schlecht es um die Tiger in unserer Welt steht, wie wenige noch da sind.
Durch das Eingreifen der Menschen sind die Tiger so gut wie von der Erde verschwunden, als Konsequenz durch unser Eingreifen in ihren Lebensraum.

Ebenfalls beschreibt die Autorin die Versuche, die Tiger zu schützen und die freilebenden Bestände zu erhöhen, was nur zum Teil Hoffnung gibt.
Gekonnt setzt das Buch ein Mahnmal, was passiert wenn die Menschen nicht aktiv werden und ihre Fehler korrigieren.
Dies muss vor allem schnell passieren. Bei meinen eigenen Recherchen zu den Tigern bin ich auf alarmierende Zahlen gestoßen.


Tiger von Polly Clark sollte jeder lesen. Vor allem jeder der die Großkatzen liebt. Aus dem Buch kann man einiges lernen und es wartet mit einer Tiefe auf, die erst am Ende voll und ganz ersichtlich ist. Für einen schönen Wintersonntag genau die richtige Lektüre. Zum Nachdenken hat man danach genug! Wie gerade schon gesagt habe ich danach selbst über die Tiger recherchiert und wenn ein Buch mit so einem Mehrwert aufwartet kann man es nur lieben!

Save the tigers!


tiger

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