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Kompass ohne Norden von Neal Shusterman

„Der einzige Maßstab für die Wirklichkeit ist unser Verstand. Doch was passiert wenn dieser zu einem krankhaften Lügner wird und sich auf fantastische Reisen begibt?“
Kompass ohne Norden


Diese zwei Sätze stehen auf dem Klappentext von Kompass ohne Norden. Das von Neal Shusterman geschriebene Buch stellt hierbei den Jugendlichen Caden in den Mittelpunkt, dessen Psyche ihm etwas vorspielt. Bald kann er nicht mehr zwischen Fantasie und Realität entscheiden. Lange ringt er mit dem Wechsel zwischen beidem, bis er die Diagnose Schizophrenie erhält.


Das „Besondere“ an dem Buch: Neal Shusterman hat selbst Berührungspunkte mit der Krankheit: Sein Sohn Brendan ist ebenfalls Patient. Dadurch hat der Autor Nähe zu der Krankheit, hat miterlebt was sie mit einem Menschen anrichten kann.
Aus diesem Grund ist das ganze Buch sehr authentisch.


Nach Lesen des Buches habe ich mich selbst nochmal im Internet schlau gemacht, was denn Schizophrenie und bipolare Störung wirklich sind:

Durch Schizophrenie werden wesentliche Teile der Psyche voneinander getrennt, die normalerweise zusammenarbeiten. Dadurch kommt es zu Störungen der Wahrnehmung, des Denkens, der Gefühlswelt und die Grenzen zwischen dem eigenen Ich und der Umgebung verschwimmen.
So können Betroffene die Wirklichkeit nicht mehr bewerten oder leiden unter einer verzerrten Wahrnehmung. Der Unterschied von Realität zu Einbildung ist nicht mehr identifizierbar.
(Quelle: lifeline.de)
In Europa leiden etwa 0,3-1% der Menschen an dieser Krankheit. Bei der Mehrheit wird diese Krankheit zwischen 20 bis 35 Jahren gestellt (Quelle:deximed.de)

Eine bipolare Störung lässt Menschen zwischen langanhaltenden extremen Stimmungen schwanken. Heißt von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt.


Ich muss gestehen: Ich kam am Anfang ganz ganz schwer in die Geschichte. Zum Glück habe ich durchgehalten, da genau dieser Einstieg vom Autor gewünscht ist! Je weiter man liest desto klarer wird einem diese sehr intelligente Konstruktion der Geschichte! Ganz ganz große Schreibkunst!

Anmerkung zur Rezension: Ich schreibe meine Gedanken dazu. Da ich keine psychische Erkrankung habe konnte ich an mancher Stelle nur mutmaßen wie ein Patient sich fühlen könnte! Wenn ich falsch liege bin ich um jede Aufklärung froh!


Cadens Realität verschwimmt mit Episoden auf einem Schiff. Hier trifft man auf skurile Gestalten wie den Kapitän, seinen Papagei und mehrere Passagiere.
Neal Shusterman wirft einen am Anfang einfach auf dieses Schiff, dass auf der Reise zum tiefsten Punkt des Mariannengrabens befindet. Am Anfang dachte ich nur „HÄÄÄÄÄ?!“

Bei der Reflexion der ganzen Geschichte wurde mir klar, dass sich ein Patient so am Anfang der Krankheit fühlen muss.
Was geschieht da mit einem?! Was macht der Verstand?! Warum wird man auf so ein Schiff geworfen?! Und ist vielleicht mein Leben nicht real, das Schiff aber schon!

Cadens „wirkliches Leben“ und das Schiff wechseln sich während der ganzen Geschichte immer wieder ab. Jedes Mal auf dem Schiff passieren so abwegige Dinge, ich war wirklich wirklich verwirrt beim Lesen. Zwischendurch hatte ich ein riesen Fragezeichen auf dem Kopf und dachte mir „What the f…?!“

Doch genau diese Verwirrung macht für mich das Buch aus! Vor allem werden hier Sachen von Neal Shusterman beschrieben, auf sowas wäre ich in meinen kühnsten Träumen nicht gekommen. Man merkt einfach wie viele Erfahrungen der Autor durch seinen Sohn mit der Krankheit gemacht hat, wie sehr er sich leider damit beschäftigen musste.


Untermalt wird Kompass ohne Norden immer wieder durch die Zeichnungen von Brendan Shusterman, die während der Tiefen seiner Krankheit entstanden sind. Dies sollte man gesehen haben.


Im Laufe der Geschichte wird man dann immer klarer: Man erkennt was es mit der Schiffscrew auf sich hat. Neal Shusterman hat die Geschichte so intelligent konstruiert, dass man erst mit Caden in die Tiefen abtaucht, mit ihm zwischen Realität und Fantasie wechselt und dann mit ihm auch wieder versucht aufzutauchen.

Dadurch ist es zum einen nicht nur eine Geschichte die helfen soll, Erkrankte besser zu verstehen sondern zum anderen auch eine Geschichte der Hoffnung und des Mutmachens.
Darum finde ich gerade das Ende auch sehr passend.

Habe ich mich am Anfang schwer getan, war das Ende und das ganze Buch für mich im Nachhinein eine Bereicherung.


Für mich hat es zurecht den deutschen Jugendliteraturpreis gewonnen, da es einfach so so authentisch und wahnsinnig gut aufgebaut ist. Wobei ich dazu sagen muss, dass es doch für ein Jugendbuch sehr anspruchsvoll ist. Ich hoffe dass die jungen Leser es verstehen.
Dieses Buch kann meiner Meinung nach auch gut im Deutschunterricht behandelt werden, da es sensibilisiert und ein „Tabuthema“ anspricht. Leider muss ich das so sagen da Krankheiten leider immer noch mit Befangenheit behandelt werden.

Es ist keine einfache Lektüre. Doch empfehle ich dieses Buch voll und ganz. Haltet alle am Anfang durch. Ihr werdet immer mehr herausfinden warum Neal es so geschrieben hat. Es ist einfach vom Aufbau so wow!


Kompass ohne Norden bleibt bei mir!



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