Lisi & Mr. Kräbs

Der Auszug von Mr. Kräbs! Der Anfang ist gemacht!

Mannomann heute ist der 4. Februar und damit WELTKREBSTAG. Somit wird es nochmal Zeit für einen neuen Beitrag meiner Reihe „Lisi und Mr. Kräbs.“ (vorherige Beiträge hier)
Vor genau zwei Jahren saß ich morgens im Auto auf dem Weg zu einer meiner letzten Bestrahlungen, da kam ein Beitrag „…zum heutigen Weltkrebstag….“.
Da saß ich nun, hatte diesen Tag gar nicht auf dem Schirm und dachte „Mist jetzt gehörst du auch dazu……mit dieser Diagnose die deinem Leben hätte gefährlich werden können.“

Ich hatte zu der Zeit schon viel meines Weges geschafft hatte ich doch 2018 die Wahl zwischen:
Entweder diese Diagnose bestimmt jetzt dein Leben oder du tust was dagegen. Also aufstehen und loslegen und den Anfang des Auszuges von Mr. Krebs starten!


Die ersten vier Wochen bevor der Kampf richtig losging wurde es mir nicht langweilig:

Zuerst habe ich allen meinen Lieben geschrieben was das Schicksal sich da für mich ausgedacht hatte. Mir war es sehr wichtig das sie es von mir persönlich erfahren. Außerdem erfährt so jeder was wirklich los ist….
in meinem Dorf war ich schnell schon halb tot weil Unwahrheiten erzählt wurden #stinksauer
Ich bin heute noch über die ganzen tollen Reaktionen gerührt!

Anmerkung: Auch als Betroffene fällt es mir manchmal schwer auf eine Nachricht gleicher Art im Bekanntenkreis zu reagieren z.B. wenn es jemand anderen trifft. Ich denke Ehrlichkeit ist da am besten und ein gewisses Maß an Sensibilität. Ich habe mich damals über jede Reaktion gefreut auch wenn es ein “ Ich weiß damit nicht umzugehen“ war.


Danach habe ich mir erstmal einen behandelnden Arzt in meiner Nähe gesucht, Heidelberg war mir dann doch etwas weit weg. Innerhalb einer Woche (ja auch Schwerkranke müssen auf einen Termin warten) war ich zum Erstgespräch in Trier und konnte schon mit einem Fahrplan aus dem Gespräch gehen.

Bevor man in den Genuss der Giftmische kommt, bedarf es zuerst einiger Voruntersuchungen bzw. Eingriffen, die ich euch hier einmal kurz erläutern möchte:


Lisa in der Kinderwunschklinik

Der allerschlimmste Termin während dem ganzen Primborium! Zumindest für mich. Die Chemo kann die Keimzellen verändern bzw. angreifen, sodass mit jungen Frauen über das Thema Kinder kriegen gesprochen werden muss.
Fande ich auch gut….aber ich habe an dem Tag einfach zu gemacht! Das Thema Kinder war für mich noch so weit weg, dass ich es ganz schrecklich fande mich plötzlich damit beschäftigen zu müssen!
Ich habe mich also gegen das Einfrieren von Eizellen entschieden, aus mehreren Gründen:
→ es war zu der Zeit schweine teuer!!
→ die Chancen, dass aus meinen Zellen Leben entsteht waren mir zu gering → die Entnahme kann nur in einem bestimmten Punkt des Zykluses erfolgen, so hätte sich der Beginn meiner Therapie verschoben
→ mein Freund und ich waren uns sehr schnell einig dass das Wichtigste meine Genesung war

Aber bitte versteht mich nicht falsch! Was sich für mich an diesem Punkt total falsch angefühlt hat kann für andere absolut richtig sein! Also tut eines und hört auf euer Herz!


Das PET-CT – Wo wohnt Mr. Kräbs denn?!

Ist das Lymphom nur in der Schulter oder auch an anderen Stellen im Körper? Das galt es mit dieser Untersuchung herauszufinden.

Also einmal durch die Röhre bitte! Zuerst bekam ich ein spezielles Kontrastmittel verabreicht, das sich innerhalb von einer Stunde in mir verteilen durfte. Was ich Zugänge gelegt bekommen hasse! Bäh!

Danach hat man mich auf einem Schlitten im Schneckentempo von den Haar- bis zu den Fußspitzen durch ein riesen Gerät gejagt um Bilder aufzunehmen. Da hieß es über eine halbe Stunde bitte nicht bewegen. War mit Schmerzen im Arm echt einfach kann ich euch sagen! Aua!

Nach so einem PET-CT geht es einem im wahrsten Sinne des Wortes strahlend.
Wirklich tatsächlich ist man für einen Tag ein mini-Reaktor und strahlt! Deswegen darf man an diesem Tag auch nicht in den Kontakt mit z.B. Schwangeren kommen!
Zum Glück stellte sich bei mir heraus, Mr. Kräbs ist zwar schon ein gutes Stück gewachsen, aber nur in meiner Schulter geblieben. Manchmal hat er sich dann doch benommen, sonst hätte er auch noch schön Kurtaxe bezahlen können!


Knochenmarksentnahme

Da ja mein Immunsysem krank war und das Knochenmark nunmal Teil davon ist, musste gecheckt werden, ob Mr. Kräbs nicht schon hier zu Gange war. Bei jedem Eingriff darf man einmal beim Arzt antreten und wird über die Risiken aufgeklärt.
Mein Gespräch zu diesem Eingriff:
– Der Arzt der das macht hat Spaß beim Bohren: Da noch jung ist der Knochen auch noch sehr hart, haha ganz toll!
– Beim Herausziehen des Knochenmarks mit einer Megaspritze wird es unangenehm, na danke!

Aus diesen Gründen war ich kaum aufgeregt als es soweit war.
Neben der Angst vor Schmerzen ist es auch super angenehm, mit dem plackigen Poppes vor einem Arzt zu liegen, erst eine riesen Spritze Betäubungsmittel verpasst zu bekommen, dann wird in einen reingebohrt und zum Schluss ist es wirklich nicht angenehm wenn die einem Knochenmark rausziehen.
Aber alles ist auszuhalten und mit der steigenden Anzahl an Eingriffen gewöhnt man sich daran sich vor anderen zu entblößen.
Mein Knochenmark war übrigens sauber! Zum Glück sonst hätte ich den ganzen Mist irgendwann nochmal machen dürfen!


Der Chemoport

Was um Himmels willen ist das?
Naja, da einem sehr giftiges Zeug in die Adern gespritzt wird sollte es auch nur dort landen.
Kommt die Chemo in normales Gewebe verursacht sie nette Vergiftungen, das muss nicht sein. Wer richtige sch… Venen wie ich besitzt hat also ein großes Risiko. Mir war von Anfang an klar, dass der Port für mich die beste Lösung ist.

Dieser wird mit örtlicher Betäubung an geeigneter Stelle unter die Haut gesetzt. Bei mir sitzt er an der rechten Seite meines Dekolleté.
Stellt euch das ganze als kleine runde Dose vor, deren Öffnung mit einer Membran abgedeckt ist. Von der Dose geht ein kleiner Schlauch ab, der in eine Vene eingeführt wird. Mit bestimmten Nadeln wird der Port dann immer angestochen und bildet so den Zugang.

Ich muss euch sagen cooles Teil: Endlich keine dumme Venensucherei mehr, da man darüber auch Blut abgenommen bekommen kann, wenn eh angestochen geht das dann in einem. Ebenso ist er wirklich unscheinbar und fällt nicht auf. Man kann damit auch ganz normal Sport machen. Er muss nur alle drei Monate gespült werden.
Bei gutem Benehmen seitens des Ports ist das ein easy Teil! Tut auch weniger weh als Blut abnehmen. Und das gute: Das Gift geht auch dahin wo es hinsoll!

Einzig doof, natürlich ist es eine mini-OP und man hat danach schon ein, zwei Tage alles weh….super war das! (Achso schaut bitte dass die euch nach der OP wieder richtig anziehen….ich durfte im Krankenhausflur erstmal von der Schwester wieder richtig verhüllt werden xD)
Linker Arm konnte sich eh nicht mehr bewegen und rechts hat mir alles wehgetan…Das war sehr amüsant, ich konnte beide Arme also kaum gebrauchen. Da musste mir doch zum ersten Mal jemand die Haare machen!


Insgesamt 3 Wochen habe ich mit Voruntersuchungen im Krankenhaus gelegen, bevor es losging. Mir ist fast die Decke auf den Kopf gefallen!! Leider musste mit dem Labor in Heidelberg noch eine andere Lymphomform ausgeschlossen werden, da ein Tumormarker angeschlagen hatte. Und die haben sich Zeit gelassen….meine Güte ich bin fast verrückt geworden. Krankenhaus ist aber auch langweilig… Naja Jammern auf hohem Niveau.

So das waren die Voruntersuchungen und Eingriffe. Nächstes Mal hatte Mister Kräbs dann nichts mehr zu lachen, die Chemo hat ihm gar nicht geschmeckt (und das obwohl sie aussah wie Aperol Spritz!)


lisi mr. kräbs

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.